Karies

Karies oder Zahnfäule ist nach wie vor die mit Abstand häufigste Zahnerkrankung. Dennoch nimmt die Häufigkeit von Karies seit Jahrzehnten ab. Lesen Sie mehr über Symptome, Behandlung und Vorbeugung von Zahnfäule.

Synonyme

Zahnfäule

Definition

Schokolade

Karies ist der Fachbegriff für Zahnfäule – und der häufigste Grund für einen Zahnarztbesuch. Bei Erwachsenen im Alter zwischen 35 und 44 finden sich auch heute noch durchschnittlich mehr als 10 von Karies befallene Zähne. Hingegen sind 4 von 5 Kindern im Alter von bis zu 12 Jahren laut aktueller 5. Deutscher Mundgesundheitsstudie kariesfrei. Im Durchschnitt gilt: Je jünger die Menschen, umso seltener ist Zahnfäule.

Häufigste Ursache von Karies ist die Kombination von unzureichender Zahnpflege, zuckerreicher Ernährung und verpassten zahnärztlichen Kontrolluntersuchungen zur Früherkennung. Unbehandelt führt Karies zwangsläufig zum Zahnverlust. Zudem begünstigt die Kariesinfektion tiefergehende Schäden am Zahnhalteapparat (Parodontitis) und kann – bei ungünstigen Verläufen – sogar zu Herzschäden (Herzinnenhautentzündungen) oder sogar einen lebensgefährlich Blutvergiftung (Sepsis) führen.

Rechtzeitig erkannt lässt Karies sich vergleichsweise leicht und sehr zuverlässig behandeln. Kleinere kariesbedingte Zahnschäden werden in der Regel mit Zahnfüllungen versorgt. Ist die Zahnfäule bereits fortgeschritten, ist Zahnersatz in Form von Brücken, Kronen oder Zahnimplantaten eine Alternative.

Doch so weit muss es gar nicht erst kommen: Karies lässt sich leicht vermeiden. Die beste Vorbeugung besteht darin, mindestens 2 Mal am Tag die Zähne gründlich zu putzen. Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt (mindestens 2 Mal im Jahr) stellen sicher, dass eine beginnende Kariesinfektion bereits sehr früh erkannt und entsprechend behandelt werden kann.

Häufigkeit

Karies ist nach wie vor die häufigste Zahnerkrankung. Allerdings hat die Häufigkeit von Karies in den vergangenen Jahrzehnten stark abgenommen. Dabei gilt die Faustregel: Je jünger die Menschen, umso seltener ist Karies im statistischen Durchschnitt. Laut der jüngsten Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 5) von 2016 (repräsentative Datenerhebung von Oktober 2013 bis Juli 2014) ist die Zahl der von Karies befallenen Zähne bei Erwachsenen im Alter zwischen 35 und 44 seit 1997 um 30 Prozent von 16,1 auf 11,2 Zähne zurückgegangen. Mit 50 Prozent ist der Rückgang bei kariesbedingten Erkrankungen der Zahnwurzel oder Zahnnerven noch deutlicher. Am besten sind die Ergebnisse bei Kindern: Laut DMS 5 sind 81 Prozent der 12-jährigen Kinder kariesfrei. Vor gut 25 Jahren (1997) waren es nur 40 Prozent.

Symptome

Karies bleibt zunächst eine ganze Weile unbemerkt, da sie im Zahnschmelz beginnt. In dieser äußeren Zahnschicht verlaufen keine Nerven. Daher verursacht Karies im Frühstadium keine Schmerzen.

Zudem bleibt sie zunächst unsichtbar. Erste sichtbare Symptome von Karies sind in der Regel kleine weiße Flecken auf dem Zahnschmelz, die in der Zahnheilkunde auch als „white spots“ bezeichnet werden. Diese weißen Flecken sind das sichtbare Ergebnis der Demineralisierung („Entkalkung“) des Zahnschmelzes.

Äußerlich auffällig ist, dass sich die weißen Flecken in der Folge meistens verfärben. Das liegt daran, dass sich Farbstoffe, beispielsweise aus der Nahrung, aus Getränken oder Zigarettenrauch in dem angegriffenen Zahnschmelz einlagern. Von Karies unterschieden werden müssen schwer entfernbare Verfärbungen auf den Zähnen von starken Rauchern oder Teetrinkern. Die sind ein kosmetisches Problem.

Die frühe oberflächliche Kariesinfektion bezeichnen Zahnmediziner auch als Initialkaries oder Kariesvorstufe.

Dentinkaries und tiefe Karies

Wenn Karies nicht behandelt wird, schreitet sie fort. Dann frisst Karies Löcher in den Zahnschmelz und greift auch vom Zahnschmelz auf das Zahnbein (Dentin) über. Zahnärzte sprechen von Dentinkaries.

Ins Zahnbein reichende Karies zeigt sich mitunter durch Empfindlichkeit der Zähne gegen Heißes, Kaltes oder Süßes. Typisch für diese Kariesphase sind Defekte wie kleine Löcher oder kleine Abbrüche.

Wenn kariöse Zähne in diesem Stadium nicht behandelt werden, schreitet die Infektion fort und es entsteht eine tiefe Karies. In diesem Stadium verursache Karies häufig erstmals Zahnschmerzen.

Mundgeruch ist ein häufig ein weiteres Symptom fortgeschrittener Kariesinfektionen.

Im finalen Stadium erreicht die Kariesinfektion den Zahnnerv. Das geht in der Regel mit starken Zahnschmerzen einher. Typisch für diesem Stadium sind Zahnwurzelentzündungen, die ohne geeignete Behandlung zum Absterben der betroffenen Zahnnerven bzw. zum Zahnverlust führen. Zudem bergen Wurzelkanalentzündungen das Risiko von Komplikationen.

Zahnwurzelkaries

Zahnwurzelkaries tritt vorzugsweise im höheren Lebensalter auf. Es handelt sich dabei um eine spezielle Form der Karies, die bei Patienten mit geschädigtem Zahnhalteapparat auftritt. Hierbei liegt die Zahnwurzel frei. Da diese aus Zahnbein besteht, ist sie besonders anfällig für Karies und kann dementsprechend schnell zu einer Wurzelentzündung führen.

Komplikationen von Karies

Unbehandelte Karies gefährdet nicht nur die Zahngesundheit, sondern birgt das sogar das Risiko von lebensgefährlichen Komplikationen. Schwere Kariesinfektionen können beispielsweise Entzündungen des Kieferknochens verursachen. Aus solchen Entzündungsherden gelangen Kariesbakterien und andere Keime mitunter über die Blutbahn oder die Lymphgefäße in den Organismus und befallen andere Organe. Typische Beispiele für solche Komplikationen von Karies sind Entzündungen der Herzinnenhaut (Endokarditis) oder Blutvergiftungen (Sepsis).

Ursachen

Hauptursache von Karies ist mangelhafte Zahnpflege, häufig in Kombination mit einer besonders zuckerreichen Ernährung. Es gibt aber auch einige Krankheiten oder besondere Umstände, die Karies begünstigen. Das sind beispielsweise Erkrankungen, die mit Mundtrockenheit einhergehen.

Säurebildende Bakterien verursachen Zahnfäule

Zur natürlichen Keimflora des Mundraumes gehören mehrere Hundert Arten von Bakterien. Einige von diesen Bakterien können Karies verursachen. Diese kariesverursachenden Bakterien siedeln auf den Zähnen vor allem im Zahnbelag, der auch als Zahnplaque bezeichnet wird. Wenn diese Plaque durch regelmäßiges Zähneputzen entfernt wird, hat Karies in der Regel keine Chance.

Ohne regelmäßige gründliche Zahnreinigung aber vermehren sich die kariesverursachenden Bakterien. Sie schädigen zunächst den Zahnschmelz. Das geschieht, indem die Bakterien Nahrungsbestandteile – und hier insbesondere Zucker – abbauen. Dabei entstehen Säuren, die den Zahnschmelz angreifen. Je mehr Bakterien und je länger die Säuren angreifen, umso größer der Schaden. Die Säuren lösen die Mineralien aus der Zahnsubstanz, die den Zahnschmelz härten. So wird der Zahnschmelz porös. Durch die zunächst mikroskopisch kleinen Öffnungen gelangen Mikroorganismen in den Zahnschmelz und zersetzen in. Zuckerhaltige Ernährung begünstigt Karies, weil Zucker die säurebildenden Kariesbakterien mit viel Nährstoffen versorgt.

Kariesbakterien vermehren sich in der Zahnplaque

Bei unzureichender Zahnpflege verdichtet sich zudem die Zahnplaque. Mit der Zeit entstehen aus Plaque, Nahrungsresten und Mineralien wie Calcium oder Phosphat und anderen Ablagerungen feste Ablagerungen, der sogenannte Zahnstein. Dieser Zahnstein wiederum ist ein Lebensraum, in dem sich die Bakterien leicht vermehren können – und die Karies immer weiter in den Zahn eindringen lassen.

Als Konkremente bezeichnen Zahnärzte Ablagerungen unterhalb des Zahnfleischrandes, die wiederum Zahnbettentzündungen (Parodontitis) verursachen.

Auch Erkrankungen oder Medikamente begünstigen Karies. Das gilt beispielsweise für Erkrankungen, die mit einem geschwächten Immunsystem einhergehen. Daher sollten Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herzerkrankungen, Abwehrschwäche oder HIV die Zähne besonders gründlich pflegen – und regelmäßig zu zahnärztlichen Kontrolluntersuchungen gehen. Außerdem gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang von Fettleibigkeit (Adipositas) und vermehrter Karieshäufigkeit. Zudem kann Mundtrockenheit dazu beitragen, dass sich Karies entwickelt.

Medikamente wie Antibiotika oder Kortikosteroide (zum Beispiel Kortison) können die natürliche Mundflora schädigen – und so zu Karies beitragen.

Behandlung

Je früher Karies erkannt wird, umso einfacher ist die Behandlung. Zur Erkennung von Karies wird ihr Zahnarzt gelegentlich Röntgenbilder anfertigen, um die gefährdeten Bereiche zwischen den Zähnen beurteilen zu können.

Initialkaries lässt sich häufig durch das Entfernen von festsitzendem Zahnbelag und die sogenannte Remineralisierung des Zahnschmelzes stoppen. Dabei tragen Zahnärzte nach einer gründlichen Reinigung des betroffenen Zahnes in der Regel ein fluoridhaltiges Gel auf die angegriffenen Partien des Zahnschmelzes auf. In Kombination mit gründlicher Zahnpflege und einer zahngesunden Ernährung (siehe auch Vorbeugung) reicht diese Behandlung meistens aus, den Fortschritt von Karies zu stoppen.

Bei fortgeschrittener Karies – den sprichwörtlichen Löchern im Zahn – muss der Zahnarzt die von Karies befallene Zahnsubstanz vollständig entfernen und anschließend mit einer Füllung versehen.

Bei einer fortgeschrittenen bakteriellen Infektion des Zahnmarks oder der Zahnwurzel wird eine Zahnwurzelbehandlung oder Wurzelkanalbehandlung notwendig.

Zuweilen hat Karies den Zahn schon so weit zerstört, dass eine Füllung nicht mehr möglich ist. Dann kommt Zahnersatz in Form einer Krone, einer Brücke oder eines Zahnimplantates infrage.

Vorbeugung

Die beste Vorbeugung vor Karies besteht in der Kombination von gründlicher Zahnreinigung, zahngesunder zuckerarmer Ernährung und regelmäßigen Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt.

Zähne putzen: Zähne und Zahnzwischenräume mindestens 2 Mal täglich reinigen

Zur gründlichen Zahnreinigung gehört vor allem das Zähneputzen. Idealerweise putzen Sie die Zähne nach jeder Mahlzeit, aber mindestens 2 Mal täglich. Besonders wichtig ist dabei, die Zähne rundum zu reinigen – also auch die Zahnzwischenräume. Hier ist der Gebrauch von Zahnseide, Floss oder Zahnzwischenraumbürstchen zu empfehlen. Desinfizierende Mundspülungen oder zuckerfreie Kaugummis können die Zahnpflege ergänzen, sind aber kein Ersatz für das Zähneputzen.

Zeitpunkt des Zähneputzens spielt – meistens - keine große Rolle

Der richtige Zeitpunkt zum Zähneputzen ist oft Gegenstand kontroverser Diskussionen. In jedem Fall gilt: Zähne putzen ist immer besser, als auf die Zahnreinigung zu verzichten. Ob Sie das gleich nach einer Mahlzeit tun oder eine halbe Stunde abwarten, spielt in der Regel keine große Rolle. Wichtige Ausnahme: Stark säurehaltige Lebensmittel wie Zitrusfrüchten oder kohlensäurehaltige Limonaden greifen den Zahnschmelz an. Nach dem Verzehr solcher Lebens- oder Genussmittel sollten Sie mit dem Zähneputzen mindestens 30 Minuten warten.

Zweimal jährlich professionelle Zahnreinigung

Ein weiterer Bestandteil der optimalen Zahnreinigung ist die professionelle Zahnreinigung (PZR) beim Zahnarzt. Bei einer PZR werden die Zähne von Zahnprophylaxe-Fachkräften gründlich gereinigt. Die meisten Zahnärzte empfehlen die PZR zweimal jährlich. Viele (private) Krankenversicherungen und nahezu alle Zahnzusatzversicherungen beteiligen sich an den Kosten für die professionelle Zahnreinigung – oder übernehmen sie sogar ganz.

Weitere Tipps zur Zahnreinigung:

  • Die Zahnbürste sollte einen kleinen Kopf mit Kunststoffborsten mittlerer Härte besitzen. Sie muss spätestens alle 2 Monate erneuert werden. Elektrische Zahnbürsten erzielen – die richtige Handhabung vorausgesetzt – besonders gute Ergebnisse.
  • Die Putzbewegungen sollten kreisend sein und alle Flächen und Kanten der Zähne berücksichtigen.
  • Die Zahnzwischenräume am besten mit Zahnseide oder mit Interdentalbürstchen reinigen.
  • Zahnpasta mit Fluorgehalt härtet den Zahnschmelz und vermindert den Bakterienbefall der Zähne.
  • Hochkonzentrierte Fluoridgele zur 1 x wöchentlichen Anwendung wirken besonders intensiv gegen Karies und Plaque. Sie sollten aber längerfristig nur in Absprache mit dem Zahnarzt eingesetzt werden.
  • Mundwässer und Mundspülungen gegen Plaque und Karies versprechen, Zähne dort zu reinigen, wo die Zahnbürste nicht hinkomme. Wissenschaftlich haltbar sind diese Leistungsversprechen aber nicht.
  • Aggressive Zahnpasten, die z.B. Putzkörner enthalten, oder harte Zahnbürsten sollten nach Möglichkeit vermieden werden, da sie Zähne und Zahnfleisch angreifen.

Autor: Charly Kahle, Dr. Katharina Wagner (Zahnärztin)

Stand: 06.08.2020

Quelle:
  1. Institut der Deutschen Zahnärzte im Auftrag von Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung: 5. Deutsche Mundgesundheitsstudie (Download, PDF)
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