Weisheitszähne

Sollten Weisheitszähne vorsorglich gezogen werden? Nehmen sie den anderen Zähnen tatsächlich Platz weg? Und soll man im Fall des Falles alle Weisheitszähne auf einmal ziehen lassen? 6 häufige Fragen und Antworten zum Thema Weisheitszähne.

6 Fragen und Antworten zum Thema Weisheitszähne

1. Sollte man vorsorglich Weisheitszähne ziehen oder nicht?

Mit dieser Frage kommen vor allem viele Eltern in die Zahnarztpraxis. Eine allgemeingültige Antwort darauf gibt es nicht. Zahnärzte empfehlen in der Regel: Wenn die Weisheitszähne keine Beschwerden verursachen, sollten sie erst einmal nicht gezogen werden. Denn jede Zahnextraktion ist ein operativer Eingriff – und für den sollte es immer einen guten Grund geben. Die Empfehlung lautet also: Erst aktiv werden, wenn Beschwerden oder Komplikationen absehbar werden. Dabei helfen regelmäßige Kontrollen. Wenigstens einmal im Jahr sollten Sie – und Ihre Kinder – zum Zahnarzt gehen. Und vergessen Sie dabei auch nicht, die Kontrolle in das Nachweisheft eintragen zu lassen. Der Nachweis regelmäßiger zahnärztlicher Kontrollen ist bares Geld wert, wenn Sie irgendwann einmal Zahnersatz brauchen.

2. Stimmt es eigentlich, dass Weisheitszähne den anderen Zähnen Platz wegnehmen?

Dass Weisheitszähne den anderen Zähne Platz wegnehmen, ist ein sehr einleuchtendes und eingängiges Bild – und bei vielen Menschen fest verankert. Tatsächlich ist es gerade bei Kindern sehr schwer, vorauszusagen, wie sich der Kiefer entwickeln wird. Bei den meisten Menschen, viele Experten sprechen von 80 Prozent, brechen die Weisheitszähne nicht oder nur teilweise durch das Zahnfleisch, bleiben also mehr oder weniger im Kiefer. Das kann zu Problemen führen, muss es aber nicht. Ähnlich ist es, wenn die Weisheitszähne tatsächlich durchbrechen. Aber noch einmal: Das führt nicht zwangsläufig zu Komplikationen.

3. Welche Komplikationen können Weisheitszähne verursachen?

Zu den Komplikationen gehört, dass die Weisheitszähne gewissermaßen von hinten nach vorne drücken. Dadurch bleibt im sichtbaren Teil des Gebisses, vor allem für die Schneidezähne, mitunter weniger Platz. Und wenn die Zähne zu eng stehen, ist das nicht optimal. Einerseits sieht es nicht so schön aus, wenn Zähne dadurch einen Schiefstand entwickeln oder verkantet zueinander stehen. Andererseits ergeben sich mitunter sehr enge Zahnzwischenräume. Und die sind weniger leicht zu pflegen als optimal ausgerichtete Zähne mit einem regelmäßigen Abstand. Bei eng stehenden Zähnen ist es eben nicht ganz so leicht, mit Zahnseide die Plaque auszuwischen und so den Nährboden für Karies oder Entzündungen zu reduzieren. Viele Experten gehen davon aus, dass Karies bei sehr eng stehenden Zähnen häufiger ist als bei einem Gebiss mit durchschnittlichem Zahnabstand.

4. Sind die Weisheitszähne überdurchschnittlich häufig von Karies betroffen?

Weisheitszähne sind letztlich ganz normale Zähne. Und die Frage nach der Karies hängt vor allem von der Pflege ab. Da kommen bei Weisheitszähnen allerdings mehrere Faktoren zusammen.

  1. Nicht alle Menschen putzen 2 Mal täglich die Zähne. Und das fördert Karies. Ganz egal, ob an den Schneidezähnen oder den Weisheitszähnen. Und selbst optimales Putzen entfernt nicht überall alle Beläge. Deswegen gehört zur richtigen Zahnpflege auch die professionelle Zahnreinigung oder Zahnprophylaxe. Die Stiftung Warentest empfiehlt, die Zähne wenigstens einmal im Jahr professionell reinigen zu lassen.
  2. Die Weisheitszähne liegen ganz hinten im Kiefer – und dort putzen viele Menschen nicht so gründlich wie im Bereich der sichtbaren Zähne. Um die sichtbaren Zähne kümmern sich viele Menschen mehr als um die weniger sichtbaren.
  3. Tatsächlich ist es aber auch schwieriger, hinten im Mund die Zähne optimal zu pflegen. Mit der Zahnbürste klappt das – bei denen, die gründlich putzen – in der Regel ganz gut. Aber mit der Zahnseide in den Zwischenraum zwischen dem letzten Backenzahn und dem Weisheitszahn zu kommen, ist schon nicht mehr ganz so leicht.

5. Und wenn die Weisheitszähne raus müssen: Alle auf einmal ziehen?

Gerade wenn die Zähne nicht durch das Zahnfleisch gebrochen sind, ist die Entfernung eines Weisheitszahnes in der Regel nicht so leicht wie bei anderen Zähnen. Aber selbst wenn der Weisheitszahn leicht zu ziehen ist: Bei jeder Extraktion entstehen Wunden. Und 4 große Wunden im Zahnfleisch wollen die wenigsten Zahnärzte ihren Patienten zumuten.

Alles Andere ist eine Frage der Absprache mit den Patienten – und hängt vom Charakter und der persönlichen Verfassung ab. Es gibt Patienten, die wollen alle 4 Weisheitszähne auf einen Schlag loswerden. Andere strecken das auf je einen Zahn alle 3 Monate. Das können Sie in Ansprache mit Ihrem Zahnarzt so vereinbaren, dass Sie sich wohl damit fühlen. Es gibt allerdings seltenen Ausnahmen, bei denen die Weisheitszähne schnell raus müssen. Das kann beispielsweise bei schweren Entzündungen der Fall sein, kommt in der Praxis aber nur selten vor.

6. Haben die Weisheitszähne eigentlich eine Funktion, die man nach dem Ziehen vermissen würde?

Das ist nicht zu erwarten. Die Weisheitszähne erfüllen keinen erkennbaren Zweck. Herkunftsgeschichtlich gelten sie als Überbleibsel unserer Evolution. Und manche Experten glauben sogar, dass Weisheitszähne irgendwann „aussterben“ werden. Aus zahnärztlicher Sicht sind Weisheitszähne ein 9. Zahn im Quadranten. Als Quadranten bezeichnen Zahnärzte die 4 Regionen der Kiefer. Oben rechts und links, unten rechts und links. Es gibt in einigen Regionen der Welt Menschen, die haben sogar 10 Zähne pro Quadrant. Aus zahnärztlicher Sicht ist das aber weder ein Argument für noch gegen das Ziehen von Weisheitszähnen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 06.08.2020

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